Was wir nicht wussten
Sie kommen von überall auf der Welt, von der Ostküste der USA, aus Deutschland, Frankreich oder Polen: die Frauen, die 1943 mit ihren Männern in die geheime Atomwaffenforschungsbasis Los Alamos ziehen. Sie sind Hausfrauen, Mütter oder Sekretärinnen
und ihre einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass ihre Männer, ausnahmslos geniale Physiker, am streng geheimen "Manhattan Project", der Entwicklung der Atombombe, beteiligt sind. Oft von einem Tag auf den anderen ziehen sie mit Kind und Kegel in die Wüste von New Mexico und bauen sich dort ein improvisiertes Leben hinter Stacheldraht auf. Die absolute Geheimhaltung des Projekts durchdringt alle Aspekte ihres Alltags, denn niemand darf wissen, wo sie leben, nicht einmal die eigenen Eltern. Kontakte mit Freunden werden abgebrochen. Ihr Leben in der Wüste ist definiert durch nur wenige Freiheiten, die sie sich nehmen können. Und so unterschiedlich die Frauen auch sind, allmählich bildet sich in dem unwirtlichen Ort mitten im Nichts eine Gemeinschaft. Die Frauen organisieren das Leben, sorgen sich um ihre Männer und fragen sich, an welchem "Gadget" da geforscht wird. Und sie ahnen Schreckliches, als sie vom Abwurf der Bombe über Hiroshima und Nagasaki erfahren. - In ihrem brillanten ersten Roman blickt die Autorin auf außergewöhnliche Frauenschicksale zurück. Daneben vergegenwärtigt sie mit ihrer Mischung aus Tradition und authentischer Zustandsbeschreibung ein erschütterndes Stück Zeitgeschehen aus dem Blickwinkel der Frauen. Das Buch ist eine Bereicherung für jede Bücherei. (Übers.: Barbara Schaden)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Was wir nicht wussten
TaraShea Nesbit
DuMont (2014)
254 S.
fest geb.