Wie der Atem in uns
An einem strahlenden Sommertag 1948 wird der achtjährige David überfahren und stirbt. Der Unfall zerstört nicht nur die Sommeridylle an der Küste von Connecticut, er verändert auch grundlegend das Leben der jüdischen Großfamilie Leibritzky.
Ein halbes Jahrhundert später blickt Molly, Davids ältere Schwester, auf jenen verhängnisvollen Sommer zurück und versucht zu verstehen, wie es zu dem Unfall kommen konnte und warum infolge des Unfalls das Familiengefüge auseinanderbrach. Molly erzählt in Häppchen von dem Tag des Unfalls, in immer neuen Anläufen nähert sie sich dem Geschehen, ein bisschen wie bei der Echternacher Springprozession. Immer wieder unterbricht sie ihren Bericht, um ein Familienmitglied näher zu beschreiben und dessen Schicksal nach Davids Tod, oder sie schaut sich im Hier und Jetzt um, in dem Haus, das sie von ihrer Tante geerbt hat. Wenn sie dann zu den Ereignissen im Sommer 1948 zurückkehrt, legt sie jedes Mal ein neues Puzzlestück der Ereignisse auf den Tisch. - In einer schönen, bildhaften Sprache erzählt Elizabeth Poliner mit großer Empathie für ihre Figuren von einer Familie, die ihren Zusammenhalt verloren hat und doch nicht voneinander lassen kann, von der Last, die Religion bedeuten kann, wenn sie zur Tradition geworden ist und trotz allem von der Leichtigkeit eines Sommers an der Küste von Connecticut. (Übers.: Maja Ueberle-Pfaff)
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Wie der Atem in uns
Elizabeth Poliner
DuMont (2016)
428 S.
fest geb.