Der letzte Sommer
"Der letzte Sommer" ist der Sommer 1914 vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Im beschaulichen englischen Landstädtchen Rye im Südosten Englands tritt die 23-jährige Beatrice Nash eine Stelle als Lateinlehrerin an und trifft damit auf Widerstand in
der Gesellschaft, die alleinlebende, selbständige junge Damen argwöhnisch beobachtet. Doch die fortschrittlich denkende Agatha Kent aus dem örtlichen Schulbeirat unterstützt Beatrice ebenso wie ihre Neffen Hugh, ein angehender Mediziner, und Daniel, ein Charmeur, der von einem Leben als Dichter träumt. Als Deutschland ins neutrale Belgien einmarschiert, die ersten Flüchtlinge ins Dorf kommen, England in den Krieg eintritt und immer mehr junge Menschen sich als Soldaten melden, bekommt das alte gesellschaftliche Leben mit seinem kaum hinterfragten Zweiklassensystem und seinen festen Moralvorstellungen immer mehr Risse. Manche sehen den Krieg als Abenteuer, viele wollen helfen (aber nicht an der Front) oder sich profilieren. Kaum jemand kann sich vorstellen, wie grausam und tödlich der Krieg wirklich ist, so wie ihn Hugh und Daniel an der Front erleben. - Beeindruckend schildert die Autorin die Veränderung der vordergründig fest gefügten Gesellschaftsordnung durch den Krieg, die naiven Illusionen und Vorstellungen vieler Menschen vom Krieg und dessen unvorstellbare Grausamkeit. Ein bewegender Roman, den man kaum aus der Hand legen kann. Breite Empfehlung! (Übers.: Michaela Grabinger)
Gudrun Eckl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der letzte Sommer
Helen Simonson
DuMont (2016)
575 S.
fest geb.