Das Glück geht aus
Die Figuren der zehn "Storys" der jungen Filmemacherin Sonja Heiss leben in verschiedenen deutschen Orten oder auch in Vancouver und Panama. Eigentlicher Schauplatz ist aber die Gedankenwelt und Befindlichkeit der weiblichen Charaktere. Die Geschichten
beginnen in medias res und erzählen aus personaler Perspektive von aufkeimenden Schuldgefühlen in Vater-Tochter-Beziehungen, vom Auseinanderleben von Paaren und der Flucht in Träume. Sie beschreiben mit genauem Blick scheinbare Nichtigkeiten und Marotten, in welchen sich der Leser mit einem Schmunzeln wiedererkennt. Die in lakonischem Ton erzählten Geschichten rühren auch an die großen Fragen. So sagt die Ich-Erzählerin der letzten Geschichte, die soeben ihre Großmutter verloren hat: "Leider glaube ich an nichts, denn ich würde die Aussicht auf einen Himmel schön finden. Ich stelle mir vor, dass Sterben dann wäre wie in den Urlaub fahren ... Vielleicht war meine Großmutter ja jetzt im Urlaub." - Die berührenden Kurzgeschichten sind für alle Bestände wärmstens empfohlen.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Glück geht aus
Sonja Heiss
Bloomsbury-Taschenbuch (2011)
Bloomsbury Taschenbuch ; 0778
169 S.
kt.