Braune Erde
Alle wollen weg aus dem Dorf. Da ziehen plötzlich sechs Leute ins alte Gutshaus und gehen mit Elan an die Renovierung. Die Frau besucht Alte und Kranke, der Mann regt eine Bürgerwehr an, als sich in der Nähe Diebstähle häufen. Mit den wenig älteren
Zwillingen verbringt Ben viel Zeit auf dem verlassenen Truppenübungsplatz und Freya sieht in ihm bald ihren festen Freund. Ben fühlt sich ernst genommen, will dabei sein und wird doch immer wieder von Parolen oder Verhaltensweisen abgestoßen. Nachdem die selbsternannte Bürgerwehr an zwei polnischen Studenten eine Scheinexekution durchführt und der einzige Mann im Dorf, der nicht mit den Neuen sympathisiert, umgebracht wird, will sich Ben absetzen und gerät in Lebensgefahr. - Es ist eine krude Mischung brauner Strömungen, die hier anhand verschiedener Figuren ein Dorf aufschrecken. Von der Blut-und-Boden-Ideologie bis zu "modernem" intellektuell begründeten Nationalismus, vom dumpfen Ausländerhass bis zu geschickt argumentierenden Verführern: der haltlose Ben fühlt sich gleichermaßen angezogen wie abgestoßen. Dabei wird seine Ambivalenz etwas zu häufig strapaziert, als dass sie noch glaubwürdig bleibt. Leider bleibt die einzige Figur, die Gegenargumente liefern könnte, zu blass und wird zum Märtyrer. - In mittleren Beständen für problembewusste Leser möglich.
Astrid Frey
rezensiert für den Borromäusverein.
Braune Erde
Daniel Höra
Bloomsbury (2012)
Bloomsbury Crossover
299 S.
kt.