Yoram
Carla lernt in Israel den begeisterten Architekten Yoram kennen und entschließt sich, mit ihm ein gemeinsames Leben zu führen, trotz aller Warnungen und Befürchtungen israelischer Freunde und der beiden Schwiegermütter. Aliza, als Elisabeth in
Berlin geboren, trägt ihr Leben lang das ungewisse Schicksal ihres Bruders mit sich. Carla dagegen kämpft um die gute Erinnerung an ihren Vater, der Arzt in Kriegslazaretten war und sich dadurch zum Pazifismus bekehrte. Vorbehalte, Missgeschicke und viel Unbedachtes und Unverdautes bestimmt die üblichen familiären Begegnungen. Die Bemühungen um Normalität werden immer wieder durch unerwartete Reaktionen durchbrochen. Eigene Erfahrungen und tradierte Familienerlebnisse machen die Beziehungen schwierig, erfordern enormes Feingefühl. Kulminationspunkt ist die heimliche Reise Carlas nach Auschwitz, wo sie sich den beiden Strängen der Familienüberlieferung stellen muss. - Es wäre die Geschichte einer durchschnittlichen Ehe, griffe nicht immer wieder die Vergangenheit ein. Im Mittelpunkt steht das Alltägliche und doch Besondere. Besonders, wie die deutsch-israelischen Beziehungen diplomatisch korrekt bezeichnet werden. Besonders auch, weil Vergangenheit eben nicht durch rationale Überlegungen aufgearbeitet werden kann. "Yoram" entfaltet einen Mikrokosmos der deutschen und der jüdischen Geschichte des 20. Jh. Sehr lesenswert!
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Yoram
Ulrike Kolb
Wallstein (2009)
296 S.
fest geb.