"Ein Drittes Reich, wie ich es auffasse"
In diesem hochinteressanten Buch legt der Historiker Janosch Steuwer umfassend dar, wie der ganz normale Bürger sich in seinem Alltag mit der Ideologie, den Versprechungen, Parolen, Forderungen und Einschränkungen des NS-Regimes arrangierte, insbesondere
wie er sich in das System einfügte, ohne seine bisherigen Ansichten gänzlich aufzugeben. Dass dies gelingen konnte - so der Verfasser -, basierte auf einer durchgängigen Vermischung von Politik und Privatsphäre, deren Ziel es war, die Verhaltensweisen der Menschen grundsätzlich und umfassend zu verändern, indem diese auf den Prüfstand gestellt und den neuen politischen Gegebenheiten angepasst wurden. Dies untersucht Steuwer an 140 bisher unveröffentlichten Tagebüchern (1933-39) von Menschen aus allen sozialen Schichten, die unverfälscht die Reaktion auf die Errichtung und den Ausbau der NS-Strukturen wiedergeben. Anschaulich beleuchtet und erläutert Steuwer das Problem der persönlichen Positionierung und den Konflikt zwischen öffentlichem und privatem Lebensbereich, die Angst vor Isolation, die Sorge um berufliches Fortkommen, den Wunsch nach gesellschaftlicher Zugehörigkeit und Anerkennung. - Sehr interessanter Ergänzungstitel für große Bestände!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
"Ein Drittes Reich, wie ich es auffasse"
Janosch Steuwer
Wallstein-Verl. (2017)
611 S.
fest geb.