Mittwochtage oder "Nichts wie weg!" sagt Tante Hulda
Saras Eltern sind beruflich sehr erfolgreich, haben aber kaum Zeit für ihre Tochter. Aber zum Glück gibt es Tante Hulda, Mamas Schwester, die Sara jeden Mittwochnachmittag in ihrer Wohngemeinschaft für geistig behinderte Menschen besucht. Tante
Hulda ist der zufriedenste Mensch, den das Mädchen kennt, nur manchmal tut sie Dinge, die unvorhersehbar sind. Als sie eines Tages ein furchtbares Chaos in ihrem Zimmer anrichtet, steht für Saras Mutter fest, dass Tante Hulda aufs Land umziehen muss, da hat sie mehr Ruhe. Doch sie hat nicht mit dem erbitterten Widerstand gerechnet, den die ansonsten sehr brave und stille Sara plötzlich entwickelt. Hulda und Sara reißen aus, geraten in große Schwierigkeiten, erhalten Hilfe von unerwarteter Seite und bringen Saras Mutter ganz schön ins Grübeln. - In dieser Geschichte erleben wir eine verkehrte Welt, denn hier sind die kleinen, schwachen, behinderten Menschen diejenigen, die wahre Größe zeigen. Sara funktioniert bestens, hat aber zunehmend Schwierigkeiten, den Wunschvorstellungen ihrer Mutter von einer perfekten Tochter zu entsprechen. Ausgerechnet die geistig behinderte Tante Hulda ist es dann, die Sara letztendlich die Kraft gibt, sich der dominanten Mutter entgegenzusetzen und den Mut zur Eigenverantwortung zu entwickeln. Unterstützt wird sie dabei von den liebevoll charakterisierten Nebenfiguren des Buches, etwa den humorvoll gezeichneten Mitbewohnern Huldas mitsamt ihren Macken oder dem Punk Ratte, der den Ausreißern in einer Notsituation beisteht. Heinlein erzählt Kindgerecht eine wunderbare Geschichte über Außenseiter unserer Gesellschaft und verdeutlicht, dass diese ohne sie sehr viel ärmer wäre. Tante Hulda ist die ideale Identifikationsfigur für ein vorurteilsfreies Miteinander!
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Mittwochtage oder "Nichts wie weg!" sagt Tante Hulda
Sylvia Heinlein
Gerstenberg (2011)
125 S. : Ill.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 9