Allee der Kosmonauten
Mathildas Leben scheint in eine Sackgasse geraten zu sein: Nach einem abgebrochenen Studium arbeitet sie in einem unbefriedigenden Job als Kassiererin, gerade ist ihre jahrelange Fernbeziehung in die Brüche gegangen und im Gegensatz zu ihr gründen
einige ihrer Freunde bereits eine Familie. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern ist schwierig, ohne jede Nähe; oft wird Mathilda von Erinnerungsfetzen an ihre Kindheit in Ostberlin heimgesucht. Um dem ständigen Gefühl der Einsamkeit und Leere zu entkommen, beschließt Mathilda, ihr Leben zu verändern, doch die ersten Schritte gestalten sich schwierig. Wieder scheitert eine Beziehung aufgrund fehlenden Vertrauens, wieder fühlt sich der traditionelle Urlaub mit den Freunden nicht mehr an wie früher, wieder schürt ein Gespräch mit ihrer Mutter alte Ängste. Ihre Ohnmacht spiegelt sich in ihren Träumen, die im Weltraum angesiedelt sind und ihre alte Begeisterung für Kosmonauten reflektieren. Nur allmählich gelingt es Mathilda, ihre beklemmenden Gefühle und die empfundene Distanz zu ihrem Umfeld zu überwinden. - Der Roman beleuchtet einen Ausschnitt aus dem Leben der Hauptfigur in ihren späten Zwanzigern und endet passenderweise nicht mit einem umfassenden Happyend, sondern verlässt die Protagonistin in einer zwar verbesserten, aber lange nicht perfekten Situation. Es gibt keine signifikante Steigerung der Handlung, vielmehr wird das Leben als kontinuierlicher Prozess in ständiger Entwicklung dargestellt. Durch die Ich-Erzählform werden die Emotionen von Mathilda überaus lebensecht vermittelt. Sehr zu empfehlen.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Allee der Kosmonauten
Anne Krüger
Script 5 (2015)
398 S.
fest geb.