Granny, ein Mord und ich
Sabrinas Ur-Ur-Ahnin überwindet Zeit und Raum und nimmt Kontakt zu ihrer Ur-Ur-Enkelin auf. Erst glaubt Sabrina an Gespenster und zweifelt an ihrem Verstand, aber 'Granny' Luise behauptet hartnäckig ihre Existenz. Der Grund für ihr Auftauchen ist,
dass sie den Mord an ihrem Geliebten, Freiherr Otto von Wolffgramm, Kabinettsminister des Fürsten zur Lippe, aufklären will. Otto wollte Luise heiraten, aber die Standesschranken standen zwischen dem Minister und dem Dienstmädchen. Deswegen wurde er ermordet, davon ist Luise überzeugt, die Ottos Tagebuch, das sie selbst nicht lesen kann, als Beweis vorlegt. Im Hin und Her zwischen Gegenwart, in der die Erzählerin Sabrina mit ihren Kindern lebt, den Erzählungen von Granny und den Eintragungen aus dem Tagebuch entfalten sich die Ereignisse in und um Detmold vor 120 Jahren. - Die Idee zu diesem Roman ist ganz nett und bezieht sich auf Personen, die wirklich in Detmold gelebt haben; die Umsetzung überzeugt jedoch nicht durchgehend. Natürlich ist Granny entsetzt über die moralische Lockerheit der modernen Zeiten, und sie hält mit ihren Ansichten zu Tugend, Sexualmoral, Kindererziehung, Emanzipation etc. nicht hinter dem Berg, während Sabrina die moderne Frau vertritt. Dieser Gegensatz wird häufig übertrieben platt und oberflächlich herausgestellt, sprachlich und inhaltlich. Durch Wiederholungen in Luises Erzählungen und Ottos Tagebuch-Notizen gerät manche Passage etwas langweilig. Trotzdem ein Buch, dass in vielen Büchereien in der Kategorie 'Leichte Unterhaltung' (nicht Krimi!) angeboten werden kann.
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Granny, ein Mord und ich
Angelika Godau
Gmeiner (2015)
Gmeiner Spannung
351 S.
fest geb.