Leben heißt, das Verlierbare lieben
Mirjam Rabe ist elf, als ihr Vater zusammenbricht und eine Hirnverletzung erleidet. Von einem Moment zum anderen ist er nicht mehr der alte, und auch das Leben seiner Tochter verändert sich. Von nun an bewegt es sich zwischen dem langsamen Begreifen
der Veränderung, der Sorge um den Vater und dem vorsichtigen Umgehen mit Ängsten und kleinen Hoffnungen bis zum Akzeptieren. In ihrer autobiografischen Erzählung verarbeitet Mirjam Rabe die Erinnerungen an diese Zeit des langen Abschieds. Die Leser:innen können an ihrer Geschichte teilhaben, in der das Leben innezuhalten scheint und damit eine besondere Intensität schafft. Scheinbare Kleinigkeiten werden aufmerksam und intensiv wahrgenommen und hinterfragt. Nicht nur der Vater ist ein anderer geworden, auch die Tochter entwickelt sich bis in die Zeiten des Erwachsenwerdens hinein. Mit ihrer eindrücklichen Ich-Erzählung wendet sich die Autorin stets an den Vater. Sie stellt Fragen und erzählt von ihren Eindrücken. Die Schilderung ihrer Wahrnehmungen, Ängste, Gedanken und ihrer Liebe zu ihm ist eine Einladung an die Leser:innen, sich hineinzuversetzen, mitzufühlen und nicht zuletzt auch zu verstehen.
Christiane Raeder
rezensiert für den Borromäusverein.
Leben heißt, das Verlierbare lieben
Mirjam Rabe
Patmos Verlag (2024)
134 Seiten : Illustrationen
fest geb.