Pietrs Reise
Eine abenteuerliche Geschichte auf drei Ebenen: Pietr Cohen, Sohn eines Fischhändlers, reist im 18. Jahrhundert durch Europa, um die Philosophie Spinozas zu verbreiten, hat aber keine Zeile des holländischen Philosophen gelesen. Eine französische
Gräfin langweilt sich und ersehnt einen feurigen Liebhaber. Und Gott lässt sich von Spinoza die Linsen schleifen, um das Treiben der Welt besser beobachten zu können. Pietr kommt unter die Piraten, wird fast Sklavenhändler und dann, auf einem Eiland, selbst Sklave und Opfer von Amazonen, entkommt mit einem hünenhaften Indianer und kehrt zurück in seine Heimat. Der Leser kann sich früh denken, wie dieser historische Schelmenroman ausgeht. Aber es geht um mehr. Joann Sfar versteht es, in seinen Dialogen über Gott und die Welt, die Geschlechterkämpfe, Gewalt und Ausbeutung zu philosophieren, ohne zu langweilen. Das gelingt ihm durch ein flottes comic-haftes Erzählen, das gute Pointen setzt, sich aber manchmal im Unverbindlichen verliert. Der französische Originaltitel (übersetzt ins Deutsche von Thomas Brovot) trifft die Absicht des Buches besser: "Le plus grand philosophe de France". Anspruchsvolle Unterhaltung. Für größere Bestände.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Pietrs Reise
Joann Sfar
Eichborn (2016)
492 S.
fest geb.