Der Götzendiener
Nachdem sich der erfolgreiche französische Comicautor und -zeichner Joann Sfar (u.a. "Die Katze des Rabbiners" (zuletzt: BP/mp 19/722), "Donjon") zuletzt in "Die Synagoge" (BP/mp 24/489) autobiografisch mit seinem Vater, seiner jüdischen Identität
und antisemitischen Anfeindungen als Jugendlicher auseinandergesetzt hat, stehen in seinem neuesten Werk die Erinnerung an seine jung verstorbene Mutter (Sfar war gerade drei Jahre alt) sowie seine früh erwachte Zeichenleidenschaft im Mittelpunkt dieser erneuten autobiografischen Sentenzen. In der Leere durch den frühen Verlust seiner Mutter sieht er einen wichtigen Impuls für sein zeichnerisches Handeln. Bei einer insgesamt recht sprunghaften und zugleich humorvollen Erzählweise kommt er in seinen brillant und eigenwillig gezeichneten Sequenzen dabei immer wieder auf Gespräche mit seinem Psychotherapeuten und die dadurch gewonnenen Einsichten und auf Begegnungen mit einem Rabbiner zurück, mit dem er als Jugendlicher z.B. die Frage erörtert, ob er als Comiczeichner nicht gegen das jüdische Bilderverbot verstößt und somit einen Götzendienst leistet. Auch der mühevolle Weg, als Student und noch unbekannter Autor einen Einstieg in die Verlagswelt der Bilderzählungen zu bekommen, wird thematisiert. Doch für Sfar ist Zeichnen das Leben. Die umfangreichen autobiografischen Erinnerungen erfordern angesichts des Erzählstils und etlicher Bezüge, die zu Autorinnen und Autoren vor allem der französischen Literatur- und Kulturszene hergestellt werden, einen konzentrierten und ausdauernden Lesenden. Daher wie der Vorgängerband vor allem für große Graphic Novel-Bestände denkbar.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Götzendiener
Joann Sfar ; aus dem Französischen von Marcel Le Comte
avant-verlag (2024)
197 Seiten : farbig
fest geb.