Die Kinder des Mondfalken
Das Buch ist nicht neu - trotzdem überaus lesenswert. Zwischen 1999-2002 erschienen bei Carlsen bereits in vier Einzelbänden die Geschichten der Mondfalkenkinder. Im vorliegenden seitenstarken Sammelband werden alle Teile zusammengeführt und Peter
Dickinson (1927-2015) gelingt es bei seinen Erzählungen um eine Kindergruppe, ein eindrucksvolles Bild vom Leben vor 200.000 Jahren in Afrika zu entwerfen. "Mich interessierte, wie alles begann: der Gebrauch der Sprache, die ersten Anzeichen einer Religion und wie sich Gesellschaften Strukturen geben." Erzählt wird die Geschichte einer Kindergruppe vom Stamm der Mondfalken, die ihren Stamm verlassen haben und alleine auf der Suche nach guten Jagdgründen sind. Im ersten Teil steht Suth, der älteste Junge der Kindergruppe, im Vordergrund und seine Fähigkeit, sich mehr und mehr zum Oberhaupt der Gruppe zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen. Wie finden sie Wasser und Nahrung, wie nähern sie sich fremden Stämmen, wie wehren sie sich gegen wilde Tiere und wie überleben sie bei Naturkatastrophen? Unterstützt wird er dabei vom Mädchen Noli, die mit ihrer spirituellen Gabe, mit ihrer Verbindung zum Urgott, einen wichtigen Beitrag leistet. Im 2. Teil wird dann aus Nolis Perspektive erzählt. In Teil 3 und 4 wechselt wieder die Perspektive zum jüngeren Jungen Kos und zum Mädchen Mana. Die einzelnen Kapitel werden immer wieder von "Ursagen" unterbrochen, die der Stamm der Mondfalken erfunden hat, um sich selbst Antworten zu geben. "Ich habe fast alles erfunden. In Wirklichkeit haben die damaligen Menschen nur sehr wenige Spuren hinterlassen: Versteinerungen, Werkzeuge und Feuerasche. Selbst Experten bleibt kaum etwas übrig, als ihre Fantasie zu bemühen - also habe ich dasselbe getan." - Überzeugende Mischung aus fantasievollem Abenteuer und Frühgeschichte für eine Leserschaft beiderlei Geschlechts mit einem ausgeprägten Interesse an Geschichte und einem gewissen Durchhaltevermögen für die 700 Seiten. Absolut einstellbar für alle Bestände. (Übers.: Henning Ahrens)
Karin Steinfeld-Bartelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Kinder des Mondfalken
Peter Dickinson
Aladin (2017)
700 S.
fest geb.