Die Farben von Venedig
Helle, leuchtende Farben und die dafür nötigen Pigmente suchten die Maler der Renaissance. Darum herum komponierte der Autor eine mögliche Begegnung der Familie Fugger mit den bekanntesten Malern ihrer Zeit in Venedig. Angelockt wurden diese auch,
weil Jakob Fugger in seinen slowakischen Minen ein Mineral gefunden haben soll, das alle bisher bekannten Pigmente in den Schatten stelle. Gegenüber Größen wie Michelangelo oder Bellini hat dessen Schüler Giorgione wenig Chancen, einen Auftrag des großen Kaufmanns zu bekommen. Bis er Sibylla begegnet. Sie ist eine elegante, modebewusste, aber schwierige Frau, die ihn in ihren Bann zieht. Er beginnt, ihr Porträt zu malen und führt dabei lange Gespräche mit ihr. Sie sei in ihrer Ehe unglücklich, bekennt sie und weiht ihn als Helfer in einen Plan ein, den ungeliebten Ehemann zu beseitigen. Das Attentat scheitert, aber Giorgione verhilft Sibylla zur Flucht. Derweilen erreicht eine Pestepidemie Venedig. Der Maler steckt sich an, kurz vor seinem Tod (das tatsächliche Datum ist nicht überliefert) kann er einen Blick auf das "Prinz Orient" genannte Mineralpulver werfen. – Die Liebesgeschichte ist für den Autor ein Vehikel, die Welt der Renaissancemaler plastisch darzustellen. Dazu nutzt er besonders Werkstattszenen, die Giorgiones Garzoni bei verschiedenen Arbeiten zeigen. Eine Begegnung mit Fugger kann durchaus stattgefunden haben, denn der Augsburger verbrachte nicht nur seine Jugend in der Lagunenstadt, sondern unterhielt dort eines seiner wichtigsten Kontore. Von den uns verbliebenen Bilder Giorgiones weist aber keines auf die Fugger hin.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Farben von Venedig
Damian Dibben ; aus dem Englischen übersetzt von Karl-Heinz Ebnet
Thiele Verlag (2024)
462 Seiten
fest geb.