Berliner Zimmer
Nach dem Tod seines Vaters fragt sich Johannes, was er eigentlich über seinen Vater Erwin weiß, der als junger Soldat in Hitlers Wehrmacht gedient hat. Als Hinweise auf eine Liebschaft seines Vaters in Berlin auftauchen, nutzt Johannes einen Kongress
in der deutschen Hauptstadt, um die achtzigjährige Klara dort aufzusuchen, die Erwin Stockner als junge Frau nahe stand. Entgegen jeder Wahrscheinlichkeit begegnet Johannes in Berlin auch seinem Vater und begleitet ihn in einen zweiten Tod, wobei er allerdings, mit Klaras Hilfe, Einblicke in dessen Leben erhält. Ein Buch, das zwar noch einmal den Vater-Sohn-Konflikt bezüglich der Nazi-Zeit aufgreift, in seiner Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Vätern und Söhnen aber weit darüber hinaus geht. Die Figuren entspringen einer genauen Beobachtung, so wie sich der Roman insgesamt Zeit lässt, sowohl für die Entwicklung seiner absichtlich mit einem logischen Bruch versehenen Handlung als auch für die Empfindungen seiner Charaktere. Ein poetischer Roman, der nachdenklich stimmt.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Berliner Zimmer
Sepp Mall
Haymon (2012)
188 S.
fest geb.