Drache auf tönernen Füßen

Wie konnte in der Volksrepublik China innerhalb weniger Jahre ein faktisch kapitalistisches Wirtschaftssystem entstehen? Der Journalist Michael Gleich schreibt über seine Recherchereisen in die südostchinesische Provinz Zhejiang, die bis zum Ende Drache auf tönernen Füßen der Mao-Ära von der ökonomischen Entwicklung abgekoppelt war. Er erfährt aus zahlreichen Begegnungen, dass die Bauern in jener Region bereits in den 1970er Jahren illegale Sparzirkel betrieben haben, um an Kapital für mehr oder weniger geduldete Geschäfte zu gelangen. Aus den Bauern wurden Händler, später Distributoren und schließlich Produzenten von Gebrauchsgütern jeder Art. Die Menschen lernten individuell zu handeln und ein neues, teilweise frühkapitalistisch wirkendes System zu errichten, noch ehe die Zentralregierung in Peking damit begann, die Wirtschaft des Landes zu liberalisieren. - Der Autor berichtet von seinen Reisen, Besuchen und Gesprächen Mitte der 90er Jahre sowie aus jüngster Zeit. Sein Reportageband ist lehrreich, spannend zu lesen und bietet zahlreiche überraschende Wendungen. Das Kapitel über die Begegnung mit einem erfolgreichen Feuerzeugfabrikanten ist ein Beispiel für besonders gelungenen Reportagejournalismus.

Thomas Völkner

Thomas Völkner

rezensiert für den Borromäusverein.

Drache auf tönernen Füßen

Drache auf tönernen Füßen

Michael Gleich
Picus-Verl. (2011)

322 S.
fest geb.

MedienNr.: 345319
ISBN 978-3-85452-673-5
9783854526735
ca. 23,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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