Ali Hassans Intrige
Jahrelang bereits ist der bekannte Schriftsteller Fathi Shin in seinem Heimatland mit Schreib- und Publikationsverbot belegt, denn er weigerte sich, dem Großen Führer seines Landes in einer Fernsehsendung ausreichende Würdigung zuteil werden zu
lassen. Nachdem man ihn anders nicht zu gewinnen vermag, gelingt dem aus kleinen Verhältnissen zum persönlichen Sicherheitschef des Großen Führers avancierten Ali Hassan ein grandioser Coup. Er becirct die Mutter des Schriftstellers, eine in jeder Hinsicht attraktive Witwe, die auch ihm zu höherem Ansehen verhelfen wird, und stellt Fathi Schin vor die Tatsache, dass ihre Hochzeit in drei Tagen, just am 20. Jahrestag der Machtergreifung stattfinden wird. Für den Schriftsteller ist der Posten des kürzlich verstorbenen Propagandaministers vorgesehen, der "den Menschen einredet, schwarz sei weiß und weiß sei schwarz". Für den Schriftsteller wird es nur mehr das "Schweigen des Grabes oder das Getöse der Macht" geben. Ihm wird klar, sollte er sich wiederum für das Schweigen entscheiden, wird diesmal auch seine Mutter für immer darunter leiden. - Beeindruckend und beängstigend und dennoch mit leichter Feder beschreibt der syrische Autor die Ausweglosigkeit, den Zuständen in einem totalitären System zu entrinnen. Lesenswert. (Übers.: Regina Karachouli)
Elisabeth Bachthaler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ali Hassans Intrige
Nihad Siris
Lenos-Verl. (2008)
Arabische Literatur im Lenos-Verlag
176 S.
fest geb.