Im Tempel der Wildgänse
November 1934. Jikai, der 57-jährige Abt des Kohoan-Tempels, lebt mit seiner Geliebten Satoko zusammen. Satoko genießt es durchaus, dass Jikai stets voller Begierde nach ihr ist. Auf die Dauer aber beginnt das Klosterleben Satoko doch zu langweilen.
Das ändert sich erst, als Jikai den 16-jährigen Jinen als Novizen im Kloster aufnimmt. Endlich kommt für Satoko etwas Abwechslung in die klösterliche Langeweile. Der seltsame Jinen scheint irgendetwas Geheimnisvolles an sich zu haben. Satoko kann die Mauer, mit der sich der Novize umgibt, nicht durchdringen. Als eines Tages eine wichtige Beerdigung, die der Abt selbst halten muss, ansteht, ist dieser nicht aufzufinden. Ist er verunglückt, hat er sich auf eine spirituelle Wanderung begeben, oder hat gar Jinen etwas mit dem Verschwinden des Abts zu tun? - Erstmals gibt es jetzt ein Buch des in Japan sehr bekannten Schriftstellers Mizukami Tsutomu in deutscher Sprache. Der 2004 verstorbene Autor überzeugt mit schmucklosen Sprachbildern, die Ferne, Fremdheit und Atmosphäre des Erzählten sinnhaft machen. Der Geist des Romans entwickelt sich aus der Philosophie des fernöstlichen Landes. (Übers.: Verena Werner)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Im Tempel der Wildgänse
Mizukami Tsutomu
be.bra-Verl. (2008)
Japan Edition
153 S.
fest geb.