Der Augentäuscher
Der Roman erzählt die Geschichte eines Mordes und von der möglichen Erfindung eines frühen Fotoapparats im barocken Dresden, in drei Ebenen. Am Dresdner Hof schwingt sich ein Alchimist um 1675 auf in zu diesem Zeitpunkt unbekannte Sphären. Sein
Ziel ist die wirklichkeitsgetreue Abbildung der Welt. Sein Name: Silvius Schwarz. Seine mögliche Erfindung und die technischen Details werden von einem stummen Setzer namens Leopold auf Bögen festgehalten. Die Damen liegen Schwarz zu Füßen. Das wird in der zweiten Ebene des Romans deutlich. Sie wird durch die Korrespondenz der beiden Liebenden Sophie und Silvius aufgespannt. In barockem, ausschweifendem und blumigem Ausdruck, mit liebestrunkenen Beschimpfungen, bekommt der Leser einen Eindruck des privaten Silvius Schwarz. Am Rande dieses Liebesgeplänkels stören die dunklen Schatten unerklärlicher Morde. N.N., als Ich-Erzähler, liefert als dritte Ebene die Grundgeschichte des Romans. Er ist der glücklose Akademiker, der in seiner Dissertation das Leben und Wirken des Silvius Schwarz erforschen möchte. Seine Aufgabe im Roman ist es, die Liebesbriefe zwischen Schwarz und seiner Sophie sowie die Bögen des stummen Chronisten Leopold zu kommentieren und zu erläutern. Besonders die Briefe zwischen Silvius und Sophie von Schlosser sind nur für ausdauernde Leser geeignet. Sie verlieren sich häufig in der Sprache selbst und vernachlässigen das Thema des Romans. Mord und Erfindung der Kamera treten dabei in den Hintergrund und machen es dem Leser schwer, diesem sprachlich hochkarätigen und ideenreichen Buch zu folgen. Aber es lohnt sich, diesen steinigen Weg zu gehen. Für ausgebaute Bestände.
Daisy Liebau
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Augentäuscher
Mathias Gatza
Graf (2012)
383 S.
fest geb.