Eine Frage der Höflichkeit
Völlig unerwartet entdeckt die inzwischen gut situierte New Yorkerin Kathy Kontent bei einer Vernissage ein Porträtfoto ihrer Jugendliebe Tinker Grey. Erinnerungen an ihre damaligen Freunde und die fröhlichen Jugendjahre in den unterschiedlichsten
New Yorker Gesellschaftskreisen der späten 1930er Jahre werden wach. Tinker Grey lernt sie zusammen mit ihrer Freundin Eve Ross in einer kleinen Bar an Silvester 1937 kennen. Der charmante, gut betuchte Bankier und Junggeselle wäre eine gute Partie für beide. Ein tragischer Unfall, bei dem Eve schwer verletzt wird, lässt jedoch das Schicksal zu Eves Gunsten entscheiden und schon bald sind Eve und Tinker das schillerndste Paar des Big Apple. Der Zufall und Kathys Prinzipientreue öffnen der charmanten jungen Frau derweil die Türen zur guten Gesellschaft der Stadt. Neue Freunde, denen Geld zwar wichtig ist, Menschlichkeit aber über alles geht, bestimmen fortan ihr Leben. Ein Eklat bringt Tinker jedoch noch einmal in Kathys Leben zurück. Für Kathy steht allerdings inzwischen fest, dass sie den schönen Schein, auf dem Tinkers Leben aufgebaut ist, niemals teilen kann und ihre Offenheit bringt Tinker schließlich auf den Boden der Tatsachen zurück. Er gibt alles auf und verschwindet aus Kathys Leben. - Einen großartigen Gesellschaftsroman, der den Leser an Werke wie den "Großen Gatsby" erinnert, legt der Autor mit diesem Erstling vor. Die charmante Geschichte ist ein wunderbares Porträt der Gesellschaft und der Stadt New York in den späten 1930er Jahren, in der das Spiel zwischen Schein und Sein schon beinahe zu einer Kunstform erhoben wurde. Die starken Charaktere um die Erzählerin Kathy ziehen den Leser sofort in den Bann. Einfach nur großartig! (Übers.: Susanne Höbel)
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Eine Frage der Höflichkeit
Amor Towles
Graf (2011)
414 S.
fest geb.