Wer will schon Quotilde sein

Man könnte den Titel wohl eine Streitschrift nennen, denn er ergreift deutlich Partei in der Debatte um die Gleichberechtigung, wobei er die Frauenförderung mit der Gendertheorie vermischt, was sachlich nicht unbedingt notwendig wäre. Allerdings Wer will schon Quotilde sein handelt es sich weniger um eine Streitschrift als um eine Polemik, weil eine Streitschrift auf einigermaßen sachliche Argumentation setzen würde. Dazu würde gehören, die kritisierte Theorie (hier: die Gendertheorie) fair darzustellen und nicht eine extreme Auslegung der Theorie zur Grundlage zu nehmen. Es würde weiter dazugehören, auch die Vorannahmen der abgelehnten Theorie zur Kenntnis zu nehmen und sie nicht ausschließlich auf dem Hintergrund des eigenen Weltbilds zu kritisieren. Die Autorin tut leider genau das, indem sie, ohne diese zu begründen, eine Leistungsideologie zu Grunde legt, die suggeriert, dass Erfolg und Misserfolg einzig von der erbrachten Leistung abhängig sind. Die strukturellen Ungleichgewichte zwischen den Geschlechtern und in der Gesellschaft, die sowohl die Handlungsfelder als auch den Ertrag der jeweiligen Leistung mit bestimmen und begrenzen, nimmt sie nicht wahr. - Der Text kommt in Stil eines Blogs daher: Kurze Sätze, Spitzen und durchaus auch abwertende Wortwahl ("Frauenversteher"), schnell und gewandt, eher dazu angetan, eine Schlacht zu schlagen denn eine Debatte zu führen. Wenig geeignet, am ehesten in größeren Beständen mit kontroversen Titeln zum Thema.

Annette Jantzen

Annette Jantzen

rezensiert für den Borromäusverein.

Wer will schon Quotilde sein

Wer will schon Quotilde sein

Mona Jaeger
weissbooks (2015)

103 S.
fest geb.

MedienNr.: 581502
ISBN 978-3-86337-032-9
9783863370329
ca. 12,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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