Nachtblüher
Das Gefühl, nicht sesshaft zu sein, kennt Eliza schon seit ihrer Kindheit, die sie als Tochter eines Schiffers auf Flüssen verbracht hat. Jetzt lebt sie in Norwegen, wohin sie ihrem Freund Andreas gefolgt ist, der in einem Institut für Schlaflosigkeit
arbeitet. Sie möchte sich dort um eine Stelle als Doktorandin bemühen, kommt jedoch mit dem Forschungsantrag nicht voran. Eliza leidet unter Schlaflosigkeit. Sie verbirgt ihre Müdigkeit jedoch, weil im Auftrag der Regierung Schlafwächter unterwegs sind, die übermüdete Personen aufgreifen und in sogenannten Schlummerkliniken einweisen. Niemand weiß, ob die Menschen sich dort freiwillig aufhalten. Als sich Andreas von ihr trennt, überlegt Eliza, ob sie besser zurück in die Niederlande ziehen sollte, lernt aber bei einem Symposium Daniel kennen. Die kurze Beziehung endet enttäuschend. Wieder fehlt ihr ein Gefühl der Zugehörigkeit. Zu Besuch bei ihrem Bruder Kasper, der in einer spartanischen Hochhauswohnung in Taipeh lebt, entgegnet sie ihm auf seinen Gedanken, dass sie beide einen Anker bräuchten, einen Menschen, der sie festhält, mit den Worten "Wir müssen eigentlich unser eigener Anker sein." Die kurze Liebschaft mit einem jungen Mann, der durchweg ohne Namen als "der Biologe" bezeichnet wird, endet mit dem Rückflug nach Norwegen. Dort entscheidet sie sich, eine Ausbildung zur Schlafwächterin zu beginnen. In der Klinik weiß sie bald nicht mehr, ob sie Mitarbeiterin oder Patientin ist. – In diesem Roman, der an eine Dystopie denken lässt, sind die Menschen beziehungsunfähig, erschöpft, übermüdet. Auch die Protagonistin Eliza sehnt sich danach, einen Halt im Leben zu finden. Sie wirft Blicke zurück in die Kindheit, hält Erlebtes, Gedanken und Eindrücke tagebuchartig fest, wobei ein melancholischer Grundton entsteht, der sich durch den Roman zieht und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit vermittelt.
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Nachtblüher
Ananda Serné ; aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Weissbooks (2024)
218 Seiten : Illustration
fest geb.