Don't kiss Tommy
Mit dem Eintreffen der Briten in Bad Oeynhausen muss Anne ihren Traum vom Wiederaufbau des Hotels ihrer Familie aufgeben. Es ist nun Hauptsitz der britischen Verwaltung und steht im von ihnen errichteten Sperrgebiet. Alle, die bisher dort gewohnt haben,
werden ausquartiert. Anne haust nun mit ihrer Familie in einer Baracke am Stadtrand. Die Männer der Familie sind im Krieg gefallen, bis auf den Mann ihrer Schwester, ein Nazi, der den Besatzern gegenüber auf Rache sinnt. Annes langjährige Freundschaft zu Rosalie war gebrochen, als Rosalie im Hotel gearbeitet hatte und Anne sie – wider besseres Wissen – entlassen hatte, um sich die Gunst einer dort logierenden Nazigröße nicht zu verscherzen. Doch Rosalie ist es, die Anne Zugang zur Sperrzone verschafft, wo Anne die Liebe ihres Lebens kennenlernt. – Graw gelingt die detaillierte Beschreibung der Gefühle ihrer Figuren, die zwischen Ablehnung der Besatzungsmacht und zögerlicher Annäherung an sie schwanken. Die Spannung dieses im traditionellen Stil erzählten Romans resultiert aus dem glaubwürdig geschilderten Kampf der Protagonistin um ihr Überleben im vom Krieg zerstörten Deutschland.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Don't kiss Tommy
Theresia Graw
Ullstein (2024)
510 Seiten
kt.