Im Morgengrauen
Im Netz gehen die Videos einer jungen Frau viral, in denen sie Bundeskanzler Henrik Westphal beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Ihr Gesicht ist nicht zu erkennen, auffällig ist nur ein markantes Tattoo auf ihrem Unterarm. Während die Echtheit
dieser Anschuldigungen in der Öffentlichkeit heftig diskutiert wird, verschwindet Westphal spurlos. Dass die Leiche einer jungen Frau, die bald darauf in einem U-Bahn-Tunnel entdeckt wird, genau dieses Tattoo aufweist, gestaltet die Ermittlungen des BKA-Duos Art Mayer und Nele Tschaikowski auch wegen undurchsichtiger politischer und persönlicher Interessen extrem schwierig. Als Mayer selbst wegen seiner privaten Beziehungen zum Bundeskanzler in den Fokus gerät, eskaliert die Situation. – Marc Raabe erweist sich auch im vierten Band seiner Thriller-Serie als Meister der Plotentwicklung. Mit knapp erzählten Szenen, schnellen Perspektivwechseln und zahlreichen Cliffhangern treibt er seine brisante Geschichte voran und hält auf diese Weise seine Leserinnen und Leser bis zur überraschenden Lösung des Falls zu jedem Zeitpunkt bei der Stange. Dass hier noch deutlicher als in den Vorgängerbänden (die man gelesen haben sollte: BP/mp 23/695, 24/709, 25/709) die gemeinsame schwierige Vergangenheit von Westphal, dessen Frau und Art Mayer im Mittelpunkt des Geschehens steht, erhöht den Reiz des vielschichtigen Thrillers, der auch mit dem interessanten Setting im politischen Milieu Berlins zu punkten weiß.
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Im Morgengrauen
Marc Raabe
Ullstein (2026)
Die Art Mayer-Serie ; Band 4
574 Seiten
kt.