Freischwimmer
Donatus Frey ist ein eher schüchterner junger Mann, der Ende der 90er Jahre in der Schule und in seiner gut situierten Familie vergeblich um Anerkennung ringt. Erst an der Uni findet er Anschluss. Dass seine beiden Freunde Neonazis sind, hinterfragt
er nicht. Nach einer Begegnung mit Meggie, die aus einer jüdischen Familie stammt, beginnt er, sein unreflektiertes Mitläufertum zu hinterfragen, weil er sich Hals über Kopf in die junge Frau verliebt hat. Als er bei einer Hakenkreuzaktion erwischt wird und Sozialstunden in einem Seniorenheim ableisten muss, trifft er hier ausgerechnet auf Meggies Großmutter und erfährt zum ersten Mal ganz direkt vom Schicksal jüdischer Menschen im Holocaust. Die Begegnung mit der alten Dame wird zum Wendepunkt in seinem Leben. Schon bald ist er gemeinsam mit Meggie auf dem Weg nach Südfrankreich, um ein Familiengeheimnis zu ergründen. - Für seinen Debütroman hat sich Gabriel Herlich viel vorgenommen. Dabei ist ihm die Darstellung eines haltlosen jungen Mannes, der als Mitläufer rechtes Gedankengut übernimmt und durch die Konfrontation mit jüdischen Schicksalen die Chance ergreift, sich freizuschwimmen und Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, durchaus gelungen. Allerdings überfrachten die Vielzahl der Themen und manch konstruierte Zufälligkeiten den eher schmalen Roman: In den entscheidenden Momenten fehlt es an differenzierten Charakterdarstellungen und den zum Verständnis notwendigen Hintergründen, um dieser nachdenkens- und lesenswerten Geschichte Tiefe zu verleihen. Eingeschränkt empfehlenswert.
Angelika Rockenbach
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Freischwimmer
Gabriel Herlich
Pendragon (2023)
262 Seiten
fest geb.