Die Päpstin Johanna
Der Kunsthistoriker und Verleger Michael Imhof hat einen ansprechenden Bild- und Textband zu den Vorgängen um die Päpstin Johanna herausgegeben, die als Johannes VII. und Unikum in der Papstgeschichte nicht nur Historiker beschäftigt hat. Das anschaulich
mit Fotos illustrierte und sehr günstig zu erwerbende Buch zieht aber den Bogen weiter, um die Legenden und historischen Recherchen zu der Päpstin besser einordnen zu können. So wird auch die Stellung der Frauen im Frühmittelalter mit einigen berühmten Beispielen (Radegunde, Lioba, Hildegard von Bingen, Hildegund von Neuss) beschrieben. Nur so werden manche Legendenbildungen erst verständlich. Das Buch gibt auch einen zeitlich beschränkten Einblick in die Geschichte des Papsttums und die Stellung der Reformatoren dazu, was an dem Fall der Päpstin, ob es sie nun gegeben hat oder nicht, besonders eindrucksvoll zu belegen ist. Den Hintergründen der Legendenbildung ist ein eigenes Kapitel gewidmet, bevor zum Schluss die Faszination dieser Gestalt bis heute thematisiert wird. - Die einzelnen Kapitel sind auch in sich verständlich und einzeln nutzbar, sodass es gelegentlich zu Wiederholungen von Informationen kommt, die bereits aus vorhergehenden Kapiteln bekannt sind. Das Buch kann allen Beständen empfohlen werden, weil es an dem außergewöhnlichen Beispiel der Päpstin interessante Einblicke in die Entwicklung von Legenden und die Bedingungen historischer Entwicklungen gibt.
Lioba Speer
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Päpstin Johanna
Michael Imhof
Imhof (2011)
80 S. : zahlr. Ill. (überw. farb.)
fest geb.