Mademoiselle muss heute sterben
Victor Legris betreibt zusammen mit dem Japaner Kenji Mori eine renommierte Buchhandlung. Ihm bringt man einen roten, zufällig gefundenen Damenschuh, in dem ein Stück vom Firmenbriefpapier steckt. Den Schuh trug zuletzt eine junge Frau, deren Leiche
mit verätztem Gesicht gefunden wird. Sie hatte einen Liebhaber, der ebenfalls spurlos verschwunden ist. Legris und sein sich literarisch betätigender Lehrjunge Jojo gehen den spärlichen Spuren nach. Sie führen sie in die Welt der damals berühmten Nachtlokale wie Moulin Rouge und Chat noir und der dort verkehrenden Lebemänner und Halbweltdamen. Drei weitere Leichen werden gefunden. Für die beiden Hobby-Ermittler kristallisiert sich eine Verbindung der vier Straftaten mit einem Geschehen in Lyon vor etlichen Jahren heraus. Sie stoßen durch eifriges Forschen in alten Zeitungen auf einen raffinierten Betrugsfall ... - Claude Izner ist das Pseudonym der Schriftsteller-Schwestern Liliane Korb und Laurence Lefevre. Mit großer Kenntnis der Kunstströmungen und Literatur am Ende des 19. Jh. haben sie die Figur des ermittelnden Buchhändlers geschaffen, der ganz in der Manier eines Sherlock Holmes überwiegend durch logische Schlüsse die Fälle aufklärt und seinen Gegenspieler von der Polizei alt aussehen lässt. Der humorige Part fällt dabei dem Lehrjungen und seinen übertriebenen schriftstellerischen Bemühungen zu, während der Japaner eine wenig durchschaubare Vaterrolle einnimmt. Ganz reizvolle Szenen ergeben sich durch die Kunden der Buchhandlung und ihre literarischen Vorlieben sowie bei den Aufenthalten in den Vergnügungsetablissements. - Eine spannend erzählte Hommage an die große Zeit der französischen Metropole. (Übers.: Gaby Wurster)
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mademoiselle muss heute sterben
Claude Izner
Pendo (2012)
326 S.
fest geb.