Septembernovelle
An einem Spätsommertag brechen Olof und Harald zu einer gemeinsamen Segeltour auf, letzterer verschwindet während der Reise, eine Pistole wird gefunden. Olof wird von der Polizei befragt und entfaltet seine Sicht auf die gemeinsame Beziehung: Es
habe ihn überrascht, dass Harald um diese Tour gebeten hat, schließlich hatte sich dessen Frau Elin einst wegen Olof von ihm getrennt. Harald sei jedenfalls auf dem Trip von seiner unheilbaren Krankheit schwer gezeichnet gewesen und habe wenig Lebensmut besessen. Ein anderes Bild zeichnet der Brief, den dieser vor seinem Verschwinden hinterlassen hat. Darin bringt er zum Ausdruck, dass er sich auf dem von Olof vorgeschlagenen Segeltörn nicht wohl fühle. Olof verhalte sich feindselig, da er ihm insgeheim die Schuld für Elins Tod gebe, der möglicherweise ein Selbstmord war. Im Gegensatz zu Olof weiß Harald von den seelischen Qualen, unter denen die streng gläubige Elin wegen ihrer Scheidung und erneuten Heirat gelitten hat. Sein Brief bildet die Basis für den Verdacht der Polizei gegen Olof. - Vergeblich sucht der Leser nach Fakten, nach der "Wahrheit" über Haralds Verschwinden, nach der Antwort auf die Frage, ob und welcher der beiden Protagonisten Rache geübt hat. Stattdessen entwickelt der Autor zwei gegensätzliche Perspektiven auf Vergangenheit und Gegenwart und enthüllt Stück für Stück das komplexe Beziehungsgeflecht der Charaktere, ohne jedoch Position zu beziehen. Sprachlich exzellent gestaltet und inhaltlich fesselnd ist die Novelle in jedem Fall sehr zu empfehlen. (Übers.: Karl-Ludwig Wetzig)
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Septembernovelle
Johan Bargum
Mare (2014)
108 S.
fest geb.