Meeresroman

Der schmale Roman des finnischen Autors zeichnet - oberflächlich gesprochen - das Leben des Seekapitäns Vilhelm Huurna, der um die Jahrhundertwende lebte, nach. Seine Mutter hatte ihm als Jungen schon vorausgesagt, dass er eines Tages "als Kapitän Meeresroman eines großen Schiffes über die Weltmeere segeln" werde. Eine allzu optimistische Vorhersage. Seinen ersten Schiffbruch erlitt Vilhelm im Alter von 16 Jahren. Und das "Seepech" sollte ihn auch weiterhin nicht verlassen. Alle weiteren Schiffe, bis auf sein letztes, mit denen er im Auftrag des Gutsherren und der reichen Bauern seines Ortes die Nordsee und Ostsee befuhr, liefen auf Grund, kollidierten mit anderen Schiffen oder gingen im Sturm unter. Deshalb hadert er, fast ein Don Quichotte zur See, beständig mit seinem Schicksal: "Er dachte, dass es kein Wunder war, wenn seine Schiffe sanken, weil er ein so schlechter Seemann war ... Aber nachdem er sich zahlreiche Vorwürfe gemacht hatte, stellte er fest, dass er gut darin war, seine Fehler zu erkennen". (S. 94). Es handelt sich bei diesem Roman nicht um eine Abenteuergeschichte im herkömmlichen Sinne, die den Leser in Spannung halten will. Es ist vielmehr eine äußerst skurrile, aber gleichzeitig melancholische, fast philosophisch geprägte Lebensbeichte eines eigentlich unglücklichen Menschen, der sich in sein Schicksal ergibt und dem Leben dann aber doch ein Quäntchen Sinn und Glück abgewinnen kann. Für alle Leser, die Vergnügen an Exzentrik und lakonischer Komik haben. (Übers.: Stefan Moster)

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Meeresroman

Meeresroman

Petri Tamminen
mare (2017)

108 S.
fest geb.

MedienNr.: 866057
ISBN 978-3-86648-248-7
9783866482487
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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