Die Nacht der alten Feuer
Ende August 2020. Elea hat ihren engsten Freundeskreis, der aus einem Literaturkreis während der Studienzeit entstanden ist, ins Sommerhäuschen ihrer Familie im Schärengarten vor der finnischen Küste eingeladen, um dort mit ihnen die traditionelle
„Nacht der alten Feuer“, den Ausklang des Sommers, zu begehen. Jeder soll eine Geschichte übers Meer mitbringen und präsentieren. Kurz vor der Feier hat Elea die Diagnose Brustkrebs bekommen. Ihre größte Sorge ist, wie ihr Mann, der Lebenskünstler Otto, und die beiden Kinder im Teenageralter ohne sie klarkommen sollen. Die Betroffenheit der Gäste ist groß und die Ausnahmesituation führt zu einem intensiven Zusammensein mit Gesprächen über das Leben und die Literatur, Zugeständnissen und Aufdecken von Lebenslügen und Geheimnissen. – Die finnische Literaturprofessorin Hanna Meretoja bearbeitet in ihrem Debütroman sowohl eines ihrer Forschungsthemen, die Erzähltheorie, als auch ihre eigene Krebserkrankung. Dies verwebt sie mit den Erfahrungen von Isolation während der Pandemie und die Sorgen im Zuge des Klimawandels zu einer Reihe emotional geladener Reflexionen aus der Innenperspektive der Protagonist:innen. Nicht nur die Hauptperson, sondern alle hadern mit ihrem Schicksal, sei es mit Kinderlosigkeit, Verlust der Partnerin, unerfüllte Liebe, Pubertät oder berufliche Zweifel. Die vielen literarischen Zitate und Referenzen finden sich am Ende des Buches in einem Literaturverzeichnis wieder. Insbesondere für literarisch bewanderte Leser:innen empfehlenswert.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Nacht der alten Feuer
Hanna Meretoja ; aus dem Finnischen von Stefan Moster
mare (2024)
440 Seiten
fest geb.