Ausbruch
Filippo Zuliani erhält einen neuen Zellengenossen, den Widerstandskämpfer Carlo. Als dieser über die Müllanlage flieht, schließt sich Filippo an, wird mit den Müllsäcken in die Freiheit transportiert, aber anschließend - mit Geld versehen -
von Carlo weggeschickt. Nach einem mehrwöchigen Fußmarsch abseits der Menschen erfährt Filippo, dass Carlo bei einem Banküberfall in Mailand ums Leben gekommen ist. Filippo setzt sich nach Paris zu Lisa Biaggi ab, der früheren Freundin und Weggefährtin Carlos. Aus den Erzählungen Carlos in den Gefängnisnächten und Zeitungsberichten schreibt Filippo einen Roman, der dank der Unterstützung seiner Vermieterin Cristina einschlägt. Doch das bringt ihn in große Bedrängnis. - In diesem politischen "Roman noir" durchkreuzen sich drei Erzählstränge: das Geschehen zwischen Flucht aus dem Gefängnis und Filippos Leben in Paris, die von ihm ersonnene Geschichte von Carlos Flucht und Lisas Recherchen zum selben Thema. Diese doppelte Perspektive erschließt dem Leser die Verhältnisse in Italien seit den späten 60er Jahren, als linksgerichtete Gruppe zum bewaffneten Kampf übergingen und gleichzeitig rechtsorientierte Kreise ihnen Anschläge mit zahlreichen Opfern in die Schuhe schoben. Auch ohne Faible für historischen Kontext ist der Roman lesenswert, dröselt doch Manotti die Gedankenwelt eines Autors zwischen eigenem Erleben, subjektiv Berichtetem, nur Gehörtem und ergänzendem Fantasieprodukt auf. (Übers.: Andrea Stephani)
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ausbruch
Dominique Manotti
Argument (2014)
Ariadne Krimi ; 1218
253 S.
fest geb.