Amelies Abschiede
Ein Krankenhaus in einer deutschen Stadt: Der jungen Amelie wird nach mehreren Operationen der Verband von den Augen genommen, sie nimmt aber alles nur verschwommen wahr und nur langsam kommen die Erinnerungen zurück: an ihren Vater Robert, Schokoladenfabrikbesitzer,
der einen Gehirntumor hat und ihr gesteht, er sei nicht ihr Vater. An Roberts Ehefrau Margot, die Amelie aufgezogen hat. An Roberts einzigen Freund Jack, einen durchgedrehten Apotheker mit Vorliebe für Hochprozentiges. Und an Amelies Nachbarn Jan, der in einem Altenheim Zivildienst leistet und langsam ihre Zuneigung gewinnt. Amelie erinnert sich, dass sie ein Manuskript fand mit verschiedenen Versionen, die der Autor alle mit demselben Titel überschrieben hatte: "Amelies Abschiede" ... - Mit bilderreicher Sprache und psychologisch gut gezeichneten Figuren versteht es der Autor, in seiner in mehreren Erzählebenen verschachtelten und in unterschiedlichen Zeiten spielenden Geschichte sehr emotional die dunklen Seiten seiner Protagonisten zu zeichnen. Traum und Wirklichkeit sind dabei raffiniert miteinander verschränkt. Bei dem komplexen Verwirrspiel zwischen tatsächlich Erlebtem und eingebildeten Fantasien erhält der Leser aber bis zum Schluss keine richtige Klarheit. Keine leichte Kost, aber für Freunde von literarischen Romanen der Gegenwart sehr empfehlenswert.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Amelies Abschiede
Christoph Leuchter
Steidl (2013)
246 S.
fest geb.