Die neuen Despoten

Der Historiker versucht anhand von reichlich Quellenmaterial und persönlichen Begegnungen das Agieren von Wladimir Putin, Victor Orbán, Kim Jong-un, Recep Tayyip Erdogan, Yi Jinping sowie des Königs von Thailand Rama X. begreiflich zu machen, wobei Die neuen Despoten letzterer trotz aller Extravaganz und Verachtung von Frauen wohl eher als Marionette des Militärs einzustufen ist denn als wirklicher Machthaber. Trotz des Untertitels "Wie Machthaber weltweit Demokratien zerstören" gilt dies beim eigenen Land wohl nur für Erdogan und Orbán. Russland war wohl auf dem Weg zur Demokratie, was man für China und Nordkorea so nicht behaupten kann. Oder soll der Untertitel ein vorsichtiger Seitenhieb auf Donald Trump sein? Interessant sind die unwillkürlichen Parallelen, die man bei der Lektüre entdeckt. Bis auf Putin, der seine Kindheit bis zum Auftragsmord geheim hält, sind die anderen stolz auf ihre Herkunft. Besonders bei Erdogan und Orbán fällt auf, wie sie ihr Herkommen aus einfachen Schichten betonen. Man hat den Eindruck, sie sind von der Rechtmäßigkeit ihres Handelns überzeugt, weil sie wie der "kleine Mann" denken. Bei Putin und Kim, Herrscher über ein "kommunistisches Königreich" (Knopp) besonders ausgeprägt, spiegelt mitunter das Verhalten die Angst vor Entmachtung wider, den Verlust von Vertrauen in andere Personen als den engsten Familienkreis. Was wiederum erklären könnte, warum Nahestehende mit immer mehr Posten, Geld und Einfluss bedacht werden. Auf einen zusätzlichen Aspekt der Lektüre sei abschließend noch hingewiesen: die indirekte Aufforderung, sich mit den Werten, die man selbst mit Demokratie verbindet, intensiv auseinanderzusetzten.

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die neuen Despoten

Die neuen Despoten

Guido Knopp
Quadriga (2025)

267 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 755259
ISBN 978-3-86995-159-1
9783869951591
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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