Die Deutschen und ihre Mythen
Es sind Begriffe und Namen, die wohl nahezu jeder Deutsche kennt. Von Kaiser Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser über die Nibelungensage, Arminius, Friedrich den Großen bis hin zum Wirtschaftswunder als Gründungserzählung der Bundesrepublik Deutschland,
um nur einige der behandelten Mythen zu nennen, reicht die Spannbreite, derer sich Herfried Münkler, Professor für Politologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, angenommen hat. Und wenn der zuweilen gerne als "Ein-Mann-Think-Tank" bezeichnete Autor ein Buch mit einer solch gewichtigen Thematik schreibt, so ist auch eine neue und innovative Sichtweise garantiert: Münklers Hypothese zufolge ist die einstmalige gewaltige Wirkmacht dieser Mythen verschwunden und selbst Geschichte geworden, während man heute nur noch "Formeln und Parolen" wie "Wir sind Papst" oder "Du bist Deutschland" verwende. Es ist ein überaus lesenswertes und im besten Sinne des Wortes bildungsbürgerliches Buch, das hier gleichsam auf der Suche nach dem nationalen kollektiven Gedächtnis entstand, und zu dessen Lektüre man nur nachdrücklich raten kann!
Bernhard Lübbers
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Deutschen und ihre Mythen
Herfried Münkler
Rowohlt (2009)
605 S.
fest geb.