Eine Nacht und alles
Irene und Per, beide in den Vierzigern, sind seit vielen Jahren verheiratet, die siebzehnjährige Tochter ist gerade ausgezogen. Bei einem Abend mit ihren Freundinnen lernt sie einen Mann kennen, verbringt die Nacht mit ihm - und stellt damit ihr Leben
mit Per in Frage. Denn eigentlich könnte sie mit ihrem Leben zufrieden sein: der Arbeit, den Freundinnen, ihrem netten Ehemann, der Tochter, doch sie kann es einfach nicht genießen, sie reizt der prickelnde Neuanfang ihrer Affäre. Ihr widerstrebt es aber auch, Per und damit ihr Zuhause zu verlassen. Sie missbilligt den viel älteren Freund ihrer Tochter Esther, dem sie in eine Aussteiger-Kommune gefolgt ist. Irene fährt zu ihr und sammelt auf der Fahrt die 17-jährige Yasemine auf, die auf einer Raststätte von ihrem Freund verlassen worden und nun ein Art Tochterersatz für sie ist. Sie trifft einen Freund aus Kindertagen wieder, mit dem sie eine beklemmende Geschichte aus der Schulzeit verbindet. Irene hat Schuldgefühle, weil all das Neue sie reizt, doch als ihr Liebhaber sie ganz für sich fordert, kann sie Per doch nicht verlassen. - Katrin Seddig erzählt lakonisch und ungeschönt von Menschen, die nicht genießen können, was sie haben, sondern immer auf der Suche nach den ganz großen Gefühlen sind. Gern empfohlen!
Gudrun Eckl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Eine Nacht und alles
Katrin Seddig
Rowohlt Berlin (2015)
427 S.
fest geb.