Kein Feuer, das nicht brennt
W., der Protagonist aus Wielands Debüt-Roman "Ich schlage vor, dass wir uns küssen", ist inzwischen 40 Jahre alt und Reisereporter einer renommierten Zeitschrift in Berlin. Doch er tut nur so, als ob er die Welt bereisen würde, tatsächlich jedoch
rührt er sich nicht vom Fleck, nicht einmal über die nicht mehr existierende Mauer. Als er auffliegt, wird er fristlos entlassen - reist auf der Flucht gezwungenermaßen zum ersten Mal. In China sieht er neben einer Mauer eine Freundin aus der nordkoreanischen Botschaft wieder. Dauerbrenner im wahrsten Sinne des Wortes sind Bildschirme mit einem Kaminfeuer, die in vielen Hotels offensichtlich zu Standardausstattung gehören. Sie gaukeln etwas vor, das nicht existiert. Immer wieder stellt sich W. die Frage nach dem Warum des Reisens. - Ein schräger, mit Humor geschriebener Roman voller Anspielungen. Für Leser/innen, die Sprachspiele und hintergründigen Humor zu schätzen wissen.
Susanne Körber
rezensiert für den Borromäusverein.
Kein Feuer, das nicht brennt
Rayk Wieland
Kunstmann (2012)
156 S.
fest geb.