Die Sintflut in Sachsen
Allgegenwärtig sind in diesem Roman die lauten Geräusche und der Ruß einer Schmiede, auch wenn diese längst nicht mehr existiert. Der Ich-Erzähler, Max Wagner, sitzt in seinem alten Zimmer in Wurzen oder im Krankenhaus bei der Mutter und wird
von seinen Erinnerungen heimgesucht. Er versucht seinen Werdegang als jüngster Sohn des Schmieds zu rekapitulieren, von der Kleinkindzeit im Schmiedeanwesen, über Lausbubenstreiche und nicht einfache Schuljahre bis hin zu Radtouren zum dörflichen Tanz als Teenager. Bei seinem Aufenthalt in der Heimatstadt trifft er auch auf einige Weggefährten und deren Schicksal in der Wende- und Nachwendezeit. Die Veränderungen seit 1948 in der DDR hin zu einem sozialistischen Staat und der zuletzt trostlose Alltag tauchen in der verfremdenden Kinderperspektive auf. Das Buch endet mit dem Leichenschmaus für die Mutter in einem Mühlengasthof, als nur mehr zwei alte Freunde bei Max sind und die Elbdeiche brechen. - Die Darstellungsweise ist recht sprunghaft, weil sie auf den Situationen und Begegnungen in der Gegenwart aufbaut. Der Leser tut sich bisweilen schwer, eine "Chronologie" im Kopf entstehen zu lassen. Er spürt aber, dass das Kind die Übersiedlung in den Westen oder das Abwandern in die Großstadt als unverständliche Veränderungen erlebt, die im Positiven wie im Negativen sein enges Lebensumfeld berührt. Lesenswert, um die deutsch-deutsche Geschichte besser zu verstehen.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Sintflut in Sachsen
Bernd Wagner
Schöffling (2018)
431 S.
fest geb.