Jones

Die Geschwister Abi und Eli stehen sich sehr nahe. Das ist wichtig, denn sie haben eine schwierige Kindheit. Die Mutter Joy ist überfordert und schlägt auch zu. Pal, der Vater, wurde im Koreakrieg verletzt, ist alkoholabhängig und wechselt öfter Jones die Arbeitsstelle. Von Verdun, Kanada, zieht die Familie deshalb in die USA, wo weitere Umzüge die Jones' zu immer neuen Anfängen zwingen. Abi, die Ältere, hat sich einen Rückzugsort auf der Wiese beim Wohnhaus geschaffen. Auf einem großen Karton hat sie eine Karte von Manhattan gemalt. Dort ist sie oft lesend zu finden und der Plan der beiden, bei Gelegenheit nach New York abzuhauen, steht fest. Als Eli eines Tages seine Schwester nicht an der gewohnten Stelle findet, schaut er in ihrem Zimmer nach und macht eine verstörende Beobachtung. Was macht der Vater dort halbnackt, während Abi unter der Bettdecke kaum sichtbar ist? Lange Zeit später wird er verstehen, was Abi jahrelang erdulden musste, ohne dass die Mutter einschritt. Kein Wunder, dass das Mädchen, sobald es alt genug ist, bei der ersten Gelegenheit ihre Sachen packt und zu einem Mann zieht. Als der sie verlässt, folgt der erste Versuch, sich das Leben zu nehmen. Eli, der selbst mit Zwängen und Ticks belastet ist, flüchtet nach Verdun zu seinem Paten. Dort will er einen Neuanfang wagen, doch die enge Bindung zu Abi, die wiederholt in psychiatrischer Behandlung ist, begleitet ihn auch dorthin. – Eine ernsthafte Milieustudie, in deren Zentrum die tragische Geschichte der Geschwister Jones steht. Prägnant und durchaus unterhaltsam wird vermittelt, wie zerstörend die Erfahrungen in der Familie für die seelische Gesundheit sein können. Lesenswert!

Gabriele Berberich

Gabriele Berberich

rezensiert für den Borromäusverein.

Jones

Jones

Neil Smith ; aus dem Englischen von Brigitte Walitzek
Schöffling & Co. (2024)

303 Seiten : Illustration
fest geb.

MedienNr.: 753562
ISBN 978-3-89561-169-8
9783895611698
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.