Die Häuser der anderen
Der Roman nimmt mit der Beziehungsgeschichte eines aufstrebenden jungen Paares, Luisa und Christopher, seinen Anfang und beschreibt deren durchaus spannungsgeladene Beziehung. Im angesehenen Kuhlmühlgraben schickt es sich eher, einen Hund als ein
Kind spazieren zu führen, und so ist auch der Wunsch nach einer Familie der erste unausgesprochene Konflikt zwischen der ehrgeizigen Luisa und dem bodenständigen Christopher. Dieser wird deutlich, als das Paar über die Ferien seine Nichte, die sich in Rollenspielen ausprobiert und damit ihre Tante verwirrt, beherbergt. Abrupt und übergangslos taucht nun der Leser in die folgende Geschichte ein und lernt die Bewohner eines weiteren Hauses, ein bösartiges schwules Pärchen und eine sympathisch freundliche Studenten-WG kennen, die von den Herren rausgeekelt werden sollen. Skurril und makaber endet diese Geschichte, ehe man sozusagen Voyeur der nächsten wird, in der eine sozial schwache Mutter versucht, durch Arbeit bei einer Promifamilie ihre Tochter in die erlauchten Kreise einzuführen und mit dem dort adoptierten Sohn zu verkuppeln, was auch gelingt, jedoch katastrophale Folgen hat. Nun folgen weitere Beschreibungen unterschiedlicher Lebensentwürfe, bei denen wieder Menschen aus vorangegangenen Erzählungen eine Rolle spielen. Dieses Konzept legitimiert nun auch die Zuordnung des Erzählten zur Gattung des Romans. Silke Scheuermann überzeichnet und schreibt tendenziell plakativ, jedoch gelingt es ihr, Schicksale zu erzählen, die den Wunsch, "im Haus eines anderen, angeseheneren Nachbarn" zu wohnen, als sehr oberflächlich und fatal entlarven. Das Glück hängt an der Persönlichkeit, nicht am Wohnambiente - so das Fazit.
Die Häuser der anderen
Silke Scheuermann
Schöffling (2012)
259 S.
fest geb.