Wenn Giraffen fliegen
In den acht Geschichten, deren Schauplätze großteils in Bulgarien und teilweise auch in den USA liegen, geht es vor allem um junge Leute, die sich zwischen den Überbleibseln des Kommunismus und den Segnungen des Westens ihr Leben neu einrichten
müssen, dabei der Vergangenheit aber nicht entkommen: So z.B. in der Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann und seiner Cousine, die in einem nach den großen Kriegen zwischen Bulgarien und Serbien aufgeteilten Dorf aufwachsen, nach der Teilung auf verschiedenen Seiten des als neue Grenze festgelegten Flusses leben, aber den strengen Grenzkontrollen immer wieder ein Schnippchen schlagen und sich heimlich treffen, die am Ende dann aber doch nicht zueinander finden. Oder auch in "Wenn Giraffen fliegen", einer in die "Best American Short Stories" aufgenommenen Geschichte von einem jungen Mann, der gegen den Willen seines geliebten, jedoch noch im blinden Glauben an die alten kommunistischen Ideale lebenden Großvaters zum Studieren nach Amerika geht und der bei seinen häufigen Telefonaten mit diesem merkt, dass er irgendwie doch neidisch auf dessen Leben daheim ist. - Ohne falsche Romantik und mit großer Sympathie für seine durchwegs unter dem Scheitern ihrer kühnen Hoffnungen leidenden Figuren erweckt der im Alter von 18 Jahren aus Bulgarien in die USA ausgewanderten Autor, ein Erzähler von Format, in seinen Geschichten die verlorene Heimat wieder zum Leben. Seine knapp geschilderten Episoden sind hinterhältig, manchmal auch komisch, meist aber recht tragisch und für Freunde des Genres sehr empfehlenswert. (Übers.: Wolfgang Müller)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wenn Giraffen fliegen
Miroslav Penkov
Blessing (2012)
318 S.
fest geb.