Das Gedächtnis der Tiere
Der Roman spielt in einer beklemmenden postapokalyptischen Welt, die starke Erinnerungen an die Corona-Pandemie hervorruft. Im Fokus steht die 27-jährige Meeresbiologin Neffy, die sich aus finanzieller Not als Teilnehmerin einer Impfstoffstudie gegen
das sogenannte Dropsy-Virus meldet. Das Virus verursacht nicht nur tödliche Entzündungen, sondern löscht auch das Gedächtnis seiner Opfer aus. Als Neffy nach einem mehrtägigen Fiebertraum in einer Londoner Klinik erwacht, sind Ärzte und Pflegepersonal verschwunden, draußen versinkt die Welt im Chaos. Zurückgeblieben sind nur ein paar der anderen Probanden. Einer davon hat ein neuartiges Gerät dabei, mit dem man die Vergangenheit mit allen Sinnen erneut erleben kann. Neffy begibt sich damit auf Erinnerungsreisen, bei denen nach und nach ihre komplizierte Familiengeschichte enthüllt wird. In einer Serie aus Liebesbriefen erfahren wir außerdem von ihrer emotionalen Beziehung zu einem Oktopus, den sie vor dem Krankenhausaufenthalt aus einem Aquarium befreit und ins Meer entlassen hat. Trotz kleiner Längen im Mittelteil überzeugt der Roman durch seine intensive Atmosphäre und die emotionale Tiefe. Er stellt die Frage, welchen Wert Erinnerungen in einer zerfallenden Welt haben und was am Ende mehr zählt: Sicherheit oder Freiheit.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Gedächtnis der Tiere
Claire Fuller ; aus dem Englischen von Andrea O Brien
KJONA (2026)
347 Seiten
fest geb.