Wachs
Schon mit 15 Jahren versucht die Pariser Apothekertochter Marie Bihéron im 18. Jh., an Leichen zu gelangen, um den menschlichen Körper zu erforschen. Bei der Prinzipalin der königlichen Zeichenschule, Madeleine Basseporte, lernt sie zeichnen. Lehrerin
und Schülerin verlieben sich und werden ein Paar. Schon bald gelingt es Marie, präzise Wachsmodelle ihrer humanen Objekte zu erstellen und zu verkaufen. Ihren Lebensunterhalt verdient sie auch mit ihrem anschaulichen Unterricht an den Modellen. Abwechselnd erzählt Wunnicke die fiktive, aber sich an historisch belegbare Fakten haltende Lebensgeschichte Marie Bihérons, die als junge Frau begeistert forscht und als alter Mensch verwahrlost. Der Wechsel zwischen der einfachen Sprache, die der Junge spricht, der Marie im Alter pflegt, und der Fachterminologie, die die Anatomin verwendet, trägt zusammen mit der im altertümlichen Deutsch erzählten Story ebenso zur Realitätsnähe des Geschehens bei wie die ihrer Epoche entsprechend handelnden Figuren. Für Leser:innen, die plastische Darstellungen chirurgischer Eingriffe an Leichen nicht stören, ein lohnendes Leseerlebnis. Wünschenswert wäre ein Glossar der lateinischen Ausdrücke und Zitate im Anhang gewesen.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Wachs
Christine Wunnicke
Berenberg (2025)
187 Seiten
fest geb.