Die blaue Schere
Eigentlich verabscheut die zwölfjährige Marie die regelmäßigen Friseurbesuche zutiefst, doch als Luigi in ihrer Stadt seinen Salon eröffnet, macht sie ein Haarschnitt mit seiner blauen Schere auf die Schönheit des Lebens aufmerksam. Auch Alma,
die ihr kleines Lebensmittelgeschäft schließen musste, fasst wieder Mut, ebenso verändert die Schere den geistig zurückgebliebenen Joshua und seine Mutter. Ohne ersichtlichen Grund aber beginnt die Schere unvermittelt zu rosten und ihre Kraft zu verlieren. Gemeinsam mit Luigi reisen Marie, ihr Freund Jussuf, Joshua und Alma auf magische Weise in ein fremdes Land, um einen speziellen Scherenschleifer um Hilfe zu bitten. Dieser jedoch fordert einen Preis: die Freunde sollen die seit einem Jahr wegen eines Streits geteilte Stadt Zwiebolah vereinen, auf deren jeweiligen Seiten ideologische Verhärtung und Propaganda gegen die andere Gruppe regieren. Zur Versöhnung der Parteien bedarf es einer ausgeklügelten List. - Selbstwahrnehmung und Bewusstwerdung der eigenen Fähigkeiten und Träume, Freundschaft und gegenseitige Unterstützung sowie die selbstverständliche Integration beispielsweise des behinderten Joshuas bilden die Kernthemen in der Entwicklung der Protagonisten. Daneben werden die Denkweisen der Bürger der geteilten Stadt genau betrachtet. - Ein angenehm, beinahe ein wenig märchenhaft zu lesendes, aber in vielen Teilen realistisches Kinderbuch, dessen Anspruch nicht zuletzt eben auch ein erzieherischer ist - zu empfehlen.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die blaue Schere
Karin Donner
Buchecker (2011)
325 S. : Ill.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 11