Ego shooter

Profi-Computerspieler Kovács lebt 14 Stunden täglich in der Cyberwelt und verdient damit auch das Geld für seinen Lebensunterhalt. Kovács war als Sohn in Deutschland lebender ungarischer Immigranten ohne Liebe und Zuwendung aufgewachsen. Seinen Ego shooter Vater hat er nie kennengelernt und seine Mutter hat sich mehr um ihre wechselnden "Lover" als um ihr Kind gekümmert. Nach dem Abitur verbeißt sich der durchaus begabte junge Mann in ein Archäologie-Studium, doch er findet sich in einer Generation wieder, die erkennen muss, dass alle Stühle schon besetzt sind. Kovács bricht sein Studium und die Beziehung zu seiner großen Liebe Lena ab, zieht in eine Wohnung, die ihm sein verstorbener Onkel hinterlassen hat und die er kaum mehr verlässt. In den Foren seiner virtuellen Welt erfährt er Akzeptanz und Anerkennung. Die Arbeit am PC wird ihm zur Droge, wird schließlich zum Leben an sich, doch der exzessive Gebrauch von Beruhigungs- und Schmerztabletten ruinieren am Ende Körper und Psyche. - Der durchgängig in Kleinschreibung gehaltene Roman ist eine ambitionierte literarische Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen der Flucht eines am Leben verzweifelnden Menschen in die virtuelle Cyberwelt. Der Autor, ein bekennender Computerjunkie, versteht es, kraftvoll, einfühlsam und ohne jedes Klischee dem Leser die Träume und Sehnsüchte seines Titelhelden auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft spürbar zu machen. Sprachlich virtuose Prosa, die berührt und nachdenklich macht.

Günther Freund

Günther Freund

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Ego shooter

Ego shooter

Martin von Arndt
Klöpfer & Meyer (2007)

143 S.
fest geb.

MedienNr.: 554769
ISBN 978-3-937667-91-1
9783937667911
ca. 10,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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