Das Mädchen aus Harrys Straße
Harry entdeckt ein Mädchen, das einen Stern trägt und ihn sehr beeindruckt. Doch die mit dem Stern sind nicht mehr erwünscht, in Schule, Hitlerjugend und unter den Freunden wird Stimmung gemacht. Seine Eltern reagieren zwiespältig. Während sein
Vater sich nicht so recht traut, die Position Harrys einzunehmen, der die Verdammung und Verfolgung in Frage stellt, wiederholt die Mutter die allgemeinen Parolen und dämpft den Vater. Harry heckt einen Plan aus, das Mädchen zu verstecken und stiehlt von den kostbaren Lebensmittelkarten. Als er sich endlich traut, ist die Familie verschwunden. - Geflohen oder deportiert? Wie vieles andere bleibt auch diese Frage offen. In einfacher Sprache, die viel Raum für die Lesenden lässt, entwirft der Autor Gewissenkonflikte, Überlegungen und Entscheidungsprozesse eines Zehnjährigen, dessen innerer Kompass gegen alle Widerstände das Gute anstrebt. Der Text wurde 1978 erstmals in der DDR veröffentlicht, der Autor siedelte später aus politischen Gründen in den Westen. - Leider ist das Buch ob seines Formates in Büchereien in steter Gefahr, übersehen zu werden. Wenn es aber konsequent vorm Verschwinden bewahrt und das wenig ansprechende Cover durch Vermittlungsarbeit wett gemacht wird, kann die Bücherei einen kleinen Schatz anbieten.
Astrid Frey
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Mädchen aus Harrys Straße
Sigmar Schollak
Donat-Verl. (2011)
60 S. : Ill.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10