Gestatten: Gott!
"Ich gönne mir das Wort Gott": Das Bekenntnis des hessischen Schriftstellers Andreas Maier aus dem Jahr 2005 ist programmatisch für die Renaissance des Religiösen in der Gegenwartsliteratur. Daran hat verstärkt auch die jüngere Kinder- und Jugendbuchliteratur
Anteil. Der Augsburger Theologe und Religionspädagoge Georg Langenhorst zieht in dem von ihm betreuten Sammelband eine ermutigende Zwischenbilanz. Sie dokumentiert erstens: Gott ist quasi verwandelt in die Kinder- und Jugendbuchliteratur zurückgekehrt, nicht als Botschaftsträger oder unantastbarer Weltenherrscher, sondern als befragbare und fragende Instanz, die außerhalb von uns steht. Zweitens: Religion ist nicht mehr in die Kirche eingesperrt, sie greift nicht mehr an, sondern ist Stoff, Motiv oder wenigstens Denkanstoß in literarischen Geschichten. Und drittens: Die Beschäftigung mit den einschlägigen Büchern von Catherine Clément ("Theos Reise", 1997), Cornelia Funke ("Der verlorene Engel", 2009), Jostein Gaarder ("Sofies Welt", 1991), Ulrich Hub ("An der Arche um Acht", 2007), Mirjam Pressler ("Nathan und seine Kinder", 2009), Jutta Richter ("Der Hund mit dem gelben Herzen ...", 1998) - vernetzt Leser- und Forscherinteressen. In diesem Schnittfeld von Didaktik, Pädagogik und Wissenschaft leistet der Sammelband gründliche, wenn auch manchmal notwendig trockene Vorarbeiten zur weiteren Feldvermessung, z.B. durch Forschungsberichte, durch die Kategorisierung des Religiösen in der Literatur oder durch eine nützliche Themenübersicht (des Herausgebers auf S. 172-174), aus der das "Modethema" Engel herausragt. Laut Shell-Studie (2006) kann jeder 2. Jugendliche als religiös bezeichnet werden; da ist ein solcher Sammelband eine Fundgrube für den literarischen Dialog mit den Religionen. - Für ausgebaute Bestände sehr empfohlen.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Gestatten: Gott!
Georg Langenhorst (Hrsg.)
Verl. Sankt Michaelsbund (2011)
224 S.
kt.