Die Füße im Feuer
Jens Thiele macht es seinen Betrachtern nicht leicht, doch er setzt die düstere Ballade von Conrad Ferdinand Meyer über eine grausame Episode aus der Zeit der Hugenottenkriege kongenial und mit teils verstörenden Bildern um. Das Gedicht erzählt
von einem Junker, der vor einem Unwetter Zuflucht in einer Burg findet. Hier erkennt er bald zu seinem Entsetzen, dass er einst im Dienste seines Königs das Weib des Schlossherrn zu Tode folterte. Nach unruhiger, von Todesangst und schlechtem Gewissen begleiteter Nacht, geleitet ihn der Herr des Hauses unversehrt zur Tür, obwohl er in ihm den Mörder seiner Frau erkannt hat. Die Rache gesteht er Gott zu, nicht sich selbst. Thiele macht die Leser zu Zuschauern einer Verfilmung, indem er immer wieder Filmrequisiten wie etwa Scheinwerfer oder Kameras an den Bildrand setzt. Die Handlung selber setzt er mit düsteren Schwarz- und Rottönen um, die Bilder sind raffinierte Collagen aus verschiedenen Fotografien. Dadurch wirken die Figuren verfremdet und teils beängstigend wie der Text und greifen die düstere Atmosphäre auf. Dieses Bilderbuch eignet sich kaum für kleine Kinder. Für kleinere Bestände wird die Vermittlung schwierig sein, größere wird die ungewöhnliche Klassikerumsetzung für Jugendliche und Erwachsene bereichern.
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Füße im Feuer
Conrad Ferdinand Meyer und Jens Thiele
Jacoby & Stuart (2013)
[16] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.