Ich und Ben
Ein Jahr nach Bens Geburt trennen sich die Eltern, und Frank nimmt seinen Sohn spontan mit auf eine Autotour in die Normandie. Frank versorgt das Baby mit Windeln und Milchflasche, überlässt ihn aber sonst weitgehend sich selbst. Ihre Beziehung zueinander
bleibt auch in den folgenden Jahren unemotional. Als er viel später in Bens WG eine Indoor-Cannabis-Plantage gezeigt bekommt, lässt er dies unkommentiert - und genießt lieber den angebotenen Joint. Überhaupt wird viel getrunken und geraucht im Roman. Frank ist weitgehend mit sich selbst beschäftigt. Als Geisteswissenschaftler mit abgebrochenem Studium arbeitet er zunächst beim Rundfunk, sinkt dann aber in Anfängerjobs und darf Berichte über Lesungen schreiben. Später arbeitet er für eine Zeitarbeitsfirma auf dem Bau und schlägt sich als Vertreter für Telefontarife durch. Der Ich-Erzähler beleuchtet schlaglichtartig und in lakonischer Sprache sein Leben in 13 Kapiteln, beginnend bei Bens Geburt 1986 bis zu dessen Haftantritt 2007. - Andreas Dury ist mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden. Der Episodenroman "Ich und Ben" ist teilweise schwer verdaulich, weil jede Wertung fehlt, aber die einzelnen Kapitel erzählen in anschaulichen Geschichten einen wichtigen Lebensabschnitt eines eher unspektakulären Protagonisten. Erst gegen Ende reflektiert Frank seine Sohn-Beziehung und wirft sich vor, dass er sich "an zu wenig schöne Erlebnisse mit Ben erinnerte und ... viel zu selten stolz auf ihn gewesen war". - Für größere Bestände.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Ich und Ben
Andreas Dury
Conte (2012)
190 S.
kt.