Jockels Schweigen
David und Chip sind beste Freunde und haben hochfliegende Pläne für die gemeinsame Zukunft. Doch David kann sich Chips sprunghaftes Wesen, seine plötzlichen Ausbrüche von Aggressivität nicht erklären. Jockel, Davids jüngerer Bruder, macht heimlich
bei einer "Filmagentur" mit und verändert sich nach wenigen Wochen dramatisch. Gemeinsam mit seiner Freundin sucht David nach einem Grund und kommt einem ominösen Club auf die Spur, der sich nach außen als soziales Projekt für vernachlässigte Jungen tarnt, in Wirklichkeit aber Zentrum eines Pädophilenrings ist. Und nicht nur Jockel wurde Opfer, sondern auch Chip. - Drei bemerkenswerte Dinge sind zu erwähnen: Die Erzählung spielt in einer jüdischen Familie, ein Umfeld, in das aufschlussreiche Einblicke gewährt werden. Die Liebesgeschichte zwischen David und Julie ist sehr zart und bleibt stets eine verlässliche Größe. Da in Zusammenarbeit mit einer Beratungsstelle entstanden, sind die Mechanismen, die Druckmittel, die unsägliche Qual der Kinder und die Hilflosigkeit der Umwelt im Zusammenhang mit dem Missbrauch sehr realistisch und authentisch geschildert. Ausnahme: Der Showdown ist der Spannung geschuldet, aber nicht sehr glaubhaft. - Keine vergnügliche Lektüre, aber eine zum Nachdenken und Bewusstsein-Schärfen für interessierte und problembewusste Leser.
Astrid Frey
rezensiert für den Borromäusverein.
Jockels Schweigen
Adriana Stern
Jacoby & Stuart (2011)
320 S.
fest geb.